Mit Spendenradeln fing es an…

Es war Juni 2011, als mein Brötchengeber anläßlich des 25 jährigen Firmenjubiläums mit dem Projekt „25 Tage für einen guten Zweck“ aus dem Strauch kam.

25 (Arbeits-) Tage lang sollte mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren werden und für jeden Km spendete der Chef damals 50 Cent an die Organisation Menschen für Menschen. 4875 km waren das Ziel, erreicht wurden schließlich fast doppelt so viele, nämlich 9452 von 53 radelnden Mitarbeitern, was fast alle waren. Natürlich sind nicht alle immer geradelt, aber ein paar haben richtig Knie-Gas gegeben.

Genau in diese Zeit fiel ein Projekt bei einem Kunden in Dänemark, wo ich eine Woche lang eine Schulung geben musste. Das Hotel war etwa 25 km vom Betrieb entfernt. Kurzerhand nahm ich mein Rad im Auto mit.

Da ich 2011 meine Eindrücke direkt in unserem Firmen-Intranet gepostet habe, will ich die hier mal ungefiltert weitergeben:

Wie angedroht habe ich mein Fahrrad Sonntag abend mit nach Dänemark genommen. Ich habe dann montags gleich die erste Etappe der „Tour de Danemark“ absolviert, hin 24 und zurück 32 km. Später noch 13 km zum Abendessen zum Restaurant und zurück, ich weiss aber nicht ob die mitzählen, andererseits waren die schon auch berufsbedingt, ich muss ja schliesslich wg. des Jobs in der Fremde essen gehen. Schaut euch die Fotos an, echt schöne Ecke hier in Sønderborg. Das Beste ist, dass die mir beim Kunden sogar eine Dusche und Umkleidemöglichkeit angeboten haben – direkt neben dem Schulungsraum! Die sind echt gut ausgerüstet hier. Es kommen wohl viele Mitarbeiter täglich auch weite Strecken mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Heute war die zweite Etappe meiner Dänemark Rundfahrt. Morgens, wie gewohnt, 24 km von Sønderborg nach Nordborg gehämmert auf dem fast direkten Weg. Das Angebot der Dusche habe ich dann dankend angenommen, Klamotten zum umziehen hatte ich dabei.

Da wir um 8:00 Uhr anfangen war auch entsprechend früh Feierabend. Also Zeit für ein paar kleine Umwege. Auf anraten der Schulungsteilnehmer habe ich auf dem Rückweg verschiedene Orte angefahren. Die Rückfahrt von Norborg ging über

Holm, Dyvik, Lavensby, Havnbjerk Skov, Himmark, Guderup, Augustenborg

zurück zum Hotel in Sonderborg, insgesamt 51 km.

Es ging vorbei am Danfoss Universe, einem Wissenschaftspark der Firma Danfoss, ähnlich wie die Autostadt von VW, weiter über Dyvik, einem winzigen idyllischen Hafenort mit einem alten Seehotel, dann an den einsamen Naturstrand an der Ostküste und zu einem kleinen privaten Saab Museum.

Absolut lohnenswert hier mit dem Fahrrad zu fahren. Habe auch wieder viele Bilder gemacht. Es ist das erste mal, dass ich das Fahrrad mitgenommen habe zu einer Schulung beim Kunden. Werde ich wohl öfter machen, auch wenn es keine Spendenkilometer mehr gibt. Die Umgebung mit dem Fahrrad zu erkunden ist definitiv aufschlussreicher als mit dem Auto nur vorbei zu brettern.

Wenn nicht zwischendurch die Arbeit zu erledigen wäre, käme man sich schon vor wie im Urlaub.

Mal sehen was es morgen noch zu entdecken gibt.

Heute wie gewohnt Prolog auf der Strecke nach Nordborg – 24 km.

Zurück wieder neue Routenvorschläge bekommen.

Diesmal gings von Nordborg zunächst Richtung Westen zum Fjord. Über Oksbøl nach Hardeshøj, wo die Fähre übersetzt. Hier bahnte sich schon langsam schlechteres Wetter an. Kaum drüben angekommen bin ich direkt in ein Gewitter geraten. Zunächst an einem Baum untergestellt, bis mir einfiel, dass das nicht der beste Ort für ein Gewitter ist. Also im Platzregen bis zu einer Bushaltestelle geradelt und dort ein wenig abgewartet. Leider entwickelte sich das Gewitter zum Dauerregen, also blieb nicht anderes als weiter zu radeln.

Der ursprüngliche Plan zur Dybbøl Mølle (Dybbeler Mühle) zu fahren wurde zugunsten einer kürzeren Strecke verworfen.

Achtung: Geschichtsunterricht!
Während des Schleswig-Holsteinischen Krieges von 1848 bis 1851 und des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 fanden dort schwere Gefechte statt, wobei die Mühle jeweils zerstört und wieder aufgebaut wurde. Ein Schulungsteilnehmer wohnt in der Gegend und fand beim Graben in seinem Garten menschliche Knochen aus dieser Zeit.

So wurde der Rückweg nur 38 km lang. Kaum das ich wieder in Sønderborg war hörte der Regen auf. Da wars dann aber auch egal.

Mal was über die dänischen Mädels:
Mein Vorurteil, das die nordischen Mädels alle blond und schön seien, schien sich gleich bei der ersten Begegnung mit meinen Schulungsteilnehmern zu bestätigen Eine typisch nordische Schönheit, aschblonde lange Haare, blaue Augen mit meterlangen Wimpern lief mir gleich als erstes über den Weg und entpuppte sich als – waschechte Paderbornerin! Na, ja, besser als nix.

Mal sehen was die vierte Etappe bringt.

Zunächst mal: Meine Schuhe waren heute morgen immer noch nass, obwohl ich sie gestern mindestens ein halbe Stunde geföhnt habe. Also rein in die nassen Klamotten, werden ohnehin wieder schweißgetränkt.

Hinfahrt, wie immer, Einzelzeitfahren: 24 km

Besonderheit heute:
Ein Rennradler im Danfoss Trikot mit offensichlich dem gleichen Ziel wie ich hatte mich gestern ca. 4 km vor dem Ziel überholt. Alle Anstrengungen meinerseits ihn wieder einzufangen scheiterten.
Heute sah ich ihn ca. 12 km vor dem Ziel hinter mir auf die Strecke einscheren. So, Bursche, hab‘ ich mir gedacht, heute nicht mit mir. Getreu dem ersten Radler’schen Grundsatz, der da lautet: „Gewonnen wird nicht mit dem Rad, gewonnen wird mit den Beinen!“, habe ich gleich Druck gemacht um den Kollegen auf Distanz zu halten. In Anbetracht der wartenden Dusche im Ziel brauchte ich auf Schweißausbrüche diesmal keine Rücksicht zu nehmen. Nun ist die Gegend hier zwar ziemlich flach, aber es gibt einige leichte, aber gemein lange Steigungen, die an die Substanz gehen. Aus dem Sattel und die Steigung im hohen Gang, da kam der Kollege nicht mehr mit (vielleicht wollte er auch nicht). Auf dem letzten Stück gibt’s ein langes Gefälle, mit fast 50 Sachen runtergebrettert und den Sieg nach Hause gefahren – jaaaa!

Duschen dauerte dann etwas länger….

Auf der Rückfahrt hatte ich nun wg. der regenbedingten Abkürzung vom Vortag natürlich auch noch etwas nachzuholen. Heute war perfektes Radelwetter. Sonne, aber nicht zu warm und nur wenig Wind. Erst wieder zur Westküste nach Hardeshøj mit der Fähre über den Als Fjord. Als ich dem Fährmann sagte, dass ich mit Euro bezahlen möchte (was ich am Vortag auch tat), meinte er nur: „It’s OK“ und ließ mich umsonst fahren! Das gesparte Geld am anderen Ufer direkt in Eis umgesetzt. (Magnum kostet hier € 3,85!)

Dann weiter über Ullerup und Gråsten nach Egernsund. Dort entlang der Küste auf dem Gendarmstien geradelt.

Achtung: Erdkunde/Geschichtsunterricht!
Der Gendarmstien (Gendarmenpfad) ist ein etwa 74 Kilometer langer, teils unbefestigter Wanderweg und ehemaliger Pfad zur Grenzüberwachung in der Region Syddanmark. Er verläuft fast durchgängig direkt an der Küste und wurde nach den dänischen Grenzgendarmen benannt, die von 1920 bis 1958 die Landesgrenze Tag und Nacht zu Fuss abliefen. Der ehemalige Streckenverlauf wurde 1988 mit Schildern, auf denen ein blauer Gendarm abgebildet ist, durchgängig markiert.

Knapp 30 km bin ich auf diesem Pfad geradelt, was nicht immer einfach war. In Sønderborg am Hafen erstmal ein Bier gezischt (0,5 l – 9€ ) bevor es weiterging zum Hotel. Ergebnis der Rückfahrt: 58 km.

Morgen abend ist zwar Rückreise, aber die fünfte Etappe nehme ich noch mit!

Nun, am nächsten morgen nochmal 24 km hin und wieder zurück und dann alles verladen und ab nach Hause. In den 5 Tagen bin ich schließlich 336 km gefahren. Insgesamt wurden es in den 25 Tagen 962 km.

Bis heute veranstalten wir jedes Jahr im Sommer einen Spendenradelmonat. Seit 2013 werden die Kilometer von April bis Oktober gezählt und zur Motivation gibt es abhängig vom der erreichten Km-Zahl monatlich ein gesponsortes Firmenfrühstück für alle. Kollegen, die nicht radeln können (oder wollen), können sich „Km“ erarbeiten, in dem Sie z.B. beim Einkauf oder Auf- und Abbau helfen.

Seit 2015 werden auch die Km in den kalten Monaten gelistet, hierfür bekommt man aber nur „Ruhm und Ehre“.

Erfolgreichster Spendenmonat war übrigens 2015 mit 8399 Km. Auch die bisher beste Gesamtleistung ist aus 2015 mit 23700 Km in den 7 „warmen“ Monaten.

Neben mir kommen mittlerweile zwei weitere Kollegen fast ausschließlich mit dem Rad zur Arbeit und etliche zumindest deutlich häufiger als früher. Wir sind auf einem guten Weg.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: