Rund um Duisburg

Schon länger trug ich die Idee einer Tour entlang der Duisburger Grenze mit mir herum. Google Maps zeigt einem (zumindest bis zu einem gewissen Zoomgrad) den Grenzverlauf einer in der Suche angegebenen Region an. Blieb die Aufgabe diese Grenze mittels Komoot in einen fahrbaren Track zu übertragen.

Das war schließlich kniffliger als gedacht. Sobald man bei Google Maps mehr reinzoomt verschwindet die Grenzanzeige. Also ist häufiges hin- und herzoomen erforderlich bis man markante Punkte im Grenzverlauf  und die daraus resultierenden Wege identifizieren kann.

Schließlich rief Komoot 112 km aus für die Strecke. Nun, das sollte an einem Sonntag nachmittag zu schaffen sein. Da die Strecke laut der von Komoot angegebenen Wegtypen teils rauher sein würde, entschied ich mich gegen das Rennrad. Das alte stählerne Etto, mittlerweile auf Alfine 8-Gang umgerüstet und mit 40 mm breiten Reifen, schien mir die bessere Wahl für dieses Unterfangen.

Wegtypen
Nicht Rennradgerecht!

Zunächst gehts Richtung Osten am Zoo vorbei zur Mülheimer Stadtgrenze, wo ich gegen den Uhrzeigersinn in die Grenzrunde einsteige. Hier wird sich später von rechts kommend der Kreis wieder schließen.

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Nördlich gehts weiter bis an die Ruhr, dann flussabwärts zum Rhein-Herne-Kanal. Ruhige Gegenden hier. Nobles Wohnen wechselt mit heruntergekommenem. Hier im Ruhrgebiet schmiegen sich die Städte so kuschelig aneinander, dass man oft nicht merkt wenn die Nachbarstadt beginnt. Und ZACK, schon in Oberhausen.

Interessant ist, dass ich in vielen Ecken hier schon mal gewesen bin, aber eben nicht exakt auf den Straßen, die mein Track mir nun vorgibt. Immer wieder abbiegen und Neues entdecken. In den Gebäuden der ehemaligen Zeche Concordia an der Grenze zwischen Duisburg-Meiderich und Oberhausen ist heute das Theater an der Niebuhrg mit viel Kunst drum herum.20180610_132237

Hier ist die Gegend wieder etwas abgerockt, aber etwas weiter am Kanal entlang wird es wieder nobel. Und immer wieder überraschende Ansichten.

Jetzt gehts entlang der Emscher an Dinslaken vorbei. Die Emscher wurde zur Hochzeit der Industrialisierung im Ruhrgebiet zur Abwasserentsorgung genutzt und dies ist ihr auch heute noch anzusehen (bzw. zu riechen). Nördlichster Punkt der Route ist die Mündung der Emscher in den Rhein. Auf dem Weg dorthin weist mein Navi plötzlich nach links. „?“ Das sieht nicht aus, als wenn es irgendwo hinführt.

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Gut, dass das Rennrad im Stall geblieben ist. Aber es wird noch eigentümlicher, ein bisschen gruselig sogar. Diesseits Wohngegend, jenseits Walsumer Rheinauen. Aus Versehen wäre ich hier sicher nicht rein gefahren und nachts würde ich sicher einen Umweg in Kauf nehmen.

Dahinter zeigt sich ein schöner, alsphaltierter Wirtschaftsweg der mich weiter bis zur Emschermündung führt. Hier wurde erst kürzlich ein bisschen umgestaltet und eine Infotafel in einem Stück Abwasserrohr aufgestellt.

Nun 4 km den Rheindeich rheinaufwärts bis zur Fähre am Steinkohlekraftwerk Walsum, wo von Duisburg-Walsum nach Orsoy (gesprochen Orsau) übergesetzt wird.

Orsoy, ein Stadtteil von Rheinberg, ist ein beliebtes Ausflugsziel und jetzt, bei dem schönen Wetter am Sonntag, für meinen Geschmack zu voll. Nur schnell ein Eis auf die Hand und weiter zum nächsten Örtchen Vierbaum. Während ich mich an der Grenze zu Duisburg-Baerl (gesprochen Barl. Ja, alles etwas merkwürdig hier.) entlang Richtung Moers (nein, nicht Mors, sondern Mörs. Kann ich auch nix für.) hangele treffe ich wieder auf die Radlergruppe, die mit mir auf der Fähre war. Die haben wohl einen direkteren Weg genommen.

Auch hier sind wieder reichere und ärmere Wohngebiete nah beieinander. Während man in Duisburg Baerl gehoben wohnt, sind die angrenzenden Stadtteile Duisburg Homberg-Hochheide und Moers Scherpenberg eher am günstigeren Ende der Skala zu finden.

Langsam nähere ich mich gut bekannten Gefilden, da ich einige Wege kreuze, die ich regelmäßig auf meiner Fahrt zur Arbeit und zurück fahre.

Südlich von Moers schließt sich Krefeld an. Immer wieder der Kontrast von Idylle und Industrie.

In Krefeld geht es über die Uerdinger Brücke wieder auf die andere Rheinseite nach Duisburg Mündelheim.

Hier in Mündelheim und dem benachbarten Serm ist die ländlichste Ecke Duisburgs. Doch auch auf dem Land ist nicht alles eitel Sonnenschein. Vollpfosten gibt es scheinbar auch hier, wie der Blick von der Brücke ans Rheinufer zeigt. Das schöne Wetter lädt zum Chillen am Rheinstrand ein. Das nächste mal suchen sich die Idioten vermutlich einen anderen Platz, weil es hier so zugemüllt ist.

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Nein, der einsame Angler war’s sicher nicht!

Durch die Felder schlängele ich mich zur südlichsten Kneipe Duisburgs, Aschlöksken genannt. Der Name entstammt aber nicht der nahe liegenden Assoziation, sondern kommt von Asche und Lok. Früher wurden hier am Rhein die Kohlen abgeladen und mit einer Lore zu den Häusern gebracht. Man holt sich eine Flasche Bier und einen Plastikstuhl und setzt sich an den Rheindeich zum „Boat-watching“. Ich genehmige mir allerdings nur ein Radler.

Hier, an der Nordgrenze von Düsseldorf schließen sich die feinsten Wohngegenden an. Blick auf den Rhein hat halt was. Ich verlasse den Rhein in östlicher Richtung durch viel Grün. Es wird langsam Abend und die Mücken schwirren. Auf dem Foto hatte ich die meisten schon wieder abgeschüttelt oder verschluckt. 

Ich streife Ratingen-Lintorf und komme schließlich wieder in Mülheim an.

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Hier lauert am Rand des Duisburger Stadtwaldes noch eine gemeine Steigung von 10%, die ich auf der parallel verlaufenden Straße schon ein paar mal gefahren bin. Aber etwas näher an der Stadtgrenze verläuft ein grober Schotter- und Reitweg durch den Wald und so nehme ich natürlich diesen. Ich hätte bis hierher nicht gedacht, dass ich den kleinsten Gang der Alfine mal brauche, aber jetzt bin ich froh, dass es ihn gibt. Doch What goes up must come down, wussten seinerzeit schon Blood, Sweat & Tears! Der letzte Abschnitt der Umrundung geht zügig bergab, leider mit ein paar Querungen, wo man dann besser doch ein wenig runterbremsen sollte. Ich treffe hier wieder auf den Beginn des Tracks. Jetzt nur noch 2 km nach Hause und fertig ist der etwas andere Gran Fondo.

Hier gibt’s das Ganze noch auf Strava.

Und auch noch ein Relive Video.

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