Hanse Gravel 2019 – Prolog

oder: Thank you for travelling with Deutsche Bahn!

Akt 1: 24.04. 2019: Der Tag auf den ich schon so lange hingefiebert habe ist endlich da. Morgen früh startet der Hansegravel, eine rund 620 Km lange Bike-Packing Fahrt über unwegsames Geläuf von Hamburg nach Stettin. Ich muss am Vormittag noch arbeiten, die Familie ist mit Freunden gestern nach Holland aufgebrochen und ich kann in Ruhe alles packen und am Rad festzurren. Reichlich früh gehts ab zum Bahnhof. Der Zug soll um 17:45 abfahren, geplante Ankunft in HH gegen 21:15 Uhr. Ich steh am Gleis und wundere mich, dass der Wagenstandsanzeiger meinen Zug nicht anzeigt. Für die Rückfahrt, gebucht ab Pasewalk, wurde aus dem Direktzug auch schon eine Umsteigeverbindung (und später noch eine mit zwei Umstiegen). Nicht, dass hier auch was schiefläuft. Frag ich mal besser nach über die Rufsäule am Gleis. Nach ewiger Zeit in der Warteschleife meldet sich ein Mitarbeiter. Ich nenne meinen Zug und das Gleis und bekomme nach einer Weile die Position des Fahrradabteils genannt. OK, bin ich also doch richtig.


Akt 2: Lustig nur, dass dann trotzdem kein Zug kommt. Also runter vom Bahnsteig und am Infoschalter vorbei geschaut. Dort sagt man mir dann,  dass der Zug ja auch erst um 18:41 Uhr fährt und auch auf einem anderen Gleis. So so. Ausnahmsweise mal wieder eine Fahrplanänderung. Fragt sich nur warum der freundliche Mitarbeiter von der Rufsäule mich da nicht hat drauf hinweisen können. Also rauf aufs andere Gleis und noch ’ne knappe Stunde warten. Dafür weiß ich jetzt auch in welchem Abschnitt das Fahrradabteil ist.


Akt 3: Die Zeit ist reif und ich schaue nervös immer wieder auf die Anzeigetafel, die aber einen anderen Zug anzeigt. Der fährt ein und ich erkenne zufällig, dass da Hamburg-Altona dransteht. Scheisse! Also losgerannt, denn das Fahrradabteil ist natürlich nicht dort wo es sein sollte. Ich renn noch an dem Schaffner mit der Abfahrtskelle vorbei und ruf ihm zu wo das Radabteil sei. Er schaut mich nur debil an und zeigt in eine Richtung. Ich bin bin fast da, da schließt sich die Tür UND DER SCHEISS-ZUG FÄHRT LOS. Da hilft auch kein Rufen und an die Tür hämmern. Jetzt bin ich richtig geladen. Eine Stunde am Gleis gewartet und trotzdem den Zug verpasst. Schafft man auch nur mit Hilfe der DB.


Akt 4: Die arme Infostandmitarbeiterin bekommt erstmal die erste Ladung Frust ab. Gibt sich aber Mühe meine Stimmung zu verstehen. Und sie versteht auch das Problem mit den falschen Anzeigen und Wagenfolgen. Nach einem Telefonat kann sie mir zumindest einen Platz für das Rad zusichern in einem Zug, der fahrplanmäßig zwar in ca. 1,5 h fahren soll, aber schon jetzt 25 min Verspätung hat. Gut, daß ich nah am Bahnhof wohne. Also wieder nach Hause und noch was essen und ein Entspannungsbier. Und siehe da, diesen Zug habe ich dann sogar bekommen. Über 3 h später als geplant, aber ich bin ja nicht in Eile. Geplante verspätete Ankunft in HH gegen 0:30 Uhr. Aber das sollte noch nicht das Ende sein.


Akt 5: Kaum 30 Min unterwegs kommt die erste nebulöse Durchsage: Man müsse auf der Strecke halten, die Gäste sollen nicht aussteigen. Dann weiter: Die Verspätung erhöhe sich um weitere 30 min. Doch es wurde noch besser: Wegen eines Unwetters könne man Osnabrück-Hbf nicht anfahren und man müsse nach einer Umleitung suchen (?). Später: Die Umleitung wäre jetzt möglich und bedeute weitere 60 min Verspätung. In Osnabrück-Altstadt müsse aber zunächst der Triebwagen umgehängt werden (und man ahnt es schon), dass bedeute eine weitere Verzögerung. Aktueller Stand: Ankunft HH etwa 2:30 Uhr. Hoffentlich schaffe ich es wenigstens rechtzeitig zum Start.

Letzter Akt: Schliesslich erreiche ich reichlich hungrig und durstig (der Zug hatte leider keinen Speisewagen) Hamburg-Altona tatsächlich gegen 2:30 Uhr. Das Hostel, in dem ich einen Schlafplatz im 6-Bettzimmer gebucht hatte liegt glücklicherweise keine 500 m entfernt. Als Herausforderung erweist sich, im Dunkeln das einzig freie Bett im Zimmer zu finden ohne dabei alle anderen zu wecken. Dass von 5 Mitschläfern mind. 3 schnarchen ist jetzt auch egal. Ich bin schon vor dem Wecker wach, der mich sonst um 7 Uhr geweckt hätte. Um 7:45 Uhr treffe ich mich mit Daniel „Cycling Dan“ Bässler um gemeinsam zum Startpunkt Hamburg-Entenwerder zu radeln.

tbc.

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5 Kommentare zu „Hanse Gravel 2019 – Prolog

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  1. Na, dann war ich zumindest nicht der einzige, der Probleme bei der Anreise mit der Deutschen Bahn hatte 😀 Bei ist der Zug einfach nur 60 Minuten später gekommen, doof nur, dass das Nachts um halb zwei war, also um halb drei war er dann da …

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Markus,
    mein Rückweg von Berlin nach Frankfurt führte über Nürnberg (!). Danach musste in Fürth der Zug evakuiert werden, alle mussten in einen folgenden Zug, der extra in Fürth angehalten wurde, umsteigen. Alle, bis auf den Radfahrer. Der dürfte warten, bis das Gleis mit dem kaputten ICE frei war, und dann dreieinhalb Stunden mit dem RegionalExpress durch das Maintal fahren. Auch schön!
    Ich freue mich auf die Fortsetzung,
    Gert

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  3. Moin,

    ein Lächeln ohne Schadenfreude, ehrlich. Das klingt doch schon nach Abenteuer. Am Ende muss man sich alleine für den Prolog bei der DB bedanken. Und bei Dir natürlich fürs aufschreiben. 1A Unterhaltung! Mit Sternchen! Und Bienchen! 🙂

    Hau in die Tasten…
    Bernd

    Gefällt 2 Personen

  4. Wirklich saublöd gelaufen.
    Aber es ging auch anders: Anreise im ICE München – Hamburg pünktlich, auf die umgekehrte Wagenreihung wurde ich nicht nur durch die Tafel, sondern auch durch einen Mitarbeiter der Bahn, der mich mit meinem Bike sah, hingewiesen.
    Rückfahrt: Ankündigung einer Baustelle bei Stettin per E-Mail eine Woche vorher, daraufhin früher gefahren, um den gebuchten ICE in Berlin sicher zu bekommen. Anschluss in Pasewalk, obwohl nur 5 min., sehr entspannt, ebenso in Bernau. Frühstück in Berlin. Pünktliche und stressfreie Rückfahrt nach München.
    Bis 2018, als es noch keine Fahrradmitnahme im ICE 4 gab, mit dem Fernbus mindestens 3,5 Stunden länger und wesentlich nerviger unterwegs gewesen.

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