Hanse Gravel 2019 – Pt.3

Eine gute Stunde hänge ich hier schon wieder rum. Auf meinen Papierkarten habe ich mir die Orte für meine Abkürzung markiert. Buddenhagen – Wahlendow – Rubkow – Relzow – Anklam. Mein Wahoo ist noch zu neu, als das ich mich trauen würde mittels Komoot auf dem Handy hier umzurouten. Das kleine Stück wird schon mittels Papier funktionieren.

Das üppige Frühstück verlangt nun nach einem stillen Rückzugsort, der hier in der Bäckerei leider nicht gegeben ist. Aber ein Stück weiter des Weges liegt eine große Tankstelle, wo ich nochmal kurz stoppe und dann gleich auch die Beinlinge wieder ablege, denn mittlerweile ist die Sonne rausgekommen.

Jetzt geht es zügig Richtung Stralsund, aber nicht ohne die hier beliebten Plattenwege zu nutzen. Im Stralsunder Stadtwald liegt der schöne Moorteich, der für idyllische Fotomotive sorgt. Ansonsten sieht man wenig von der Stadt, da sie im Wesentlichen umfahren wird.

Bei Stralsund führt der Track mitten durch eine Baustelle. Richtung Greifswald folgt dann die berüchtigte alte Bundesstraße B105. Eine rund 30 km lange Kopfsteinpflasterstrecke. Fast schnurgerade zerrt der grobe Belag und die Eintönigkeit an den Nerven, obwohl es hier eigentlich besser zu fahren ist als auf vielen anderen Abschnitten. Glücklicherweise fährt man hier fast allein, da es für den Hauptverkehr eine neue, glatte Parallelstrecke gibt.

In Greifswald angekommen nimmt man auch wahr, dass Osten nicht zwingend Rechts bedeutet. Schön. Am Rande der Innenstadt lädt der Museumshafen mit einigen schwimmenden Restaurants zum Verweilen ein. Es ist inzwischen schon wieder halb drei und damit ohnehin Zeit für eine Zwischenmahlzeit. Genusstour!

Nach einem kurzen Abstecher in die Innenstadt, wo ich noch Geld ziehe und an einem Brunnen meine Flaschen auffülle, geht es auf einem schönen Treidelpfad entlang des Flusses Ryck in Richtung Greifswalder Bodden. Es folgen die schon gewohnten groben Straßen und Wege, die mittlerweile ihren Schrecken verloren haben. Ich genieße es allein in meinem Tempo unterwegs sein zu können.

Es ist schon halb sechs als ich vom Track rechts abbiege in Richtung Buddenhagen um mir die Usedomschleife zu sparen. Heute waren es erst gut 80 km bisher und es sind nochmal so viele bis zu meiner gebuchten Unterkunft in Hintersee. Ich muss jetzt mal schauen, dass ich hier was weggeschafft bekomme. Die Abkürzung, die mir nun statt der offiziellen 100 nur etwa 20 km beschert, sollte da helfen können, zumal die Wege zwischen den Orten ja sicher besser zu fahren sind, als das bisherige Geläuf. Dachte ich.

Erst geht es gut los. Kaum abgebogen breitet sich feinster Asphalt vor mir aus, wie er sonst kaum noch zu finden ist. Der Tacho zeigt permanent eine 3 vorne, so wird das was mit der frühen Einkehr! Irgendwann biege ich rechts ab und vorbei ists mit der Herrlichkeit. Das gewohnte Bild zeigt sich und mir deucht, dass es gar nicht so schwer ist hier ein paar amtliche Gravelpisten zu finden.

Erst als ich in Anklam wieder auf den Track treffe bessert sich der Straßenbelag, nicht aber der Zustand vieler Häuser am Wegesrand. Hier treffe ich nach langer Zeit auch mal wieder einen Mit-Graveller, nämlich den aus Berlin kommenden Italiener Mirko. Er hatte kurz nach der Abreise zum Start in Hamburg verzweifelt in die Facebook-Gruppe gepostet, dass er sein komplettes Portemonnaie samt aller Karten zu Hause vergessen hat. In einer besonderen Art von Trail-Magic konnte Wiebke, die zu der Zeit noch in Berlin war, die Geldbörse an sich nehmen und ihm zum Start mitbringen!

Mirko will sich in Ueckermünde eine Unterkunft suchen, und hat daher noch etwa 40 km vor der Brust. Für mich sind es noch rund 30 mehr, also verabschiede ich mich, denn es ist mittlerweile schon halb sieben.

Es folgt einer der schönsten Abschnitte der Tour. Im herrlichen Licht der tiefstehenden Abendsonne geht es erst am Rand des Anklamer Stadtbruchs, der an das Stettiner Haff grenzt, durch ein Naturschutzgebiet bis Bugewitz. Hier nagen sich offenbar Horden von Bibern durch das Gehölz, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Man sieht halb versunkene Wälder und Vogelbeobachtungstürme bieten sich zum übernachten an. Es ist kühl geworden und ich lege die Beinlinge wieder an. Da absehbar ist, dass es heute spät wird, rufe ich meine Vermieterin an und sage Bescheid, dass ich es vor 23 Uhr nicht schaffe. Auf meine Frage, ob ich wohl auch noch was zu beißen bekommen kann zeigt sie sich sehr kreativ. Obwohl sie darauf nicht vorbereitet ist, und sonst auch nur Frühstück anbietet, verspricht sie mir noch etwas hinzustellen.

Ich bin froh mich nicht mehr um mein Abendessen bemühen zu müssen. Ein Bier wird mir auch noch versprochen. Super!

Bei Bugewitz endet die Fahrt entlang des Wassers, dafür finde ich eine komfortable Gelegenheit für eine kleine Zwischenmahlzeit. Meine hochprozentige Errungenschaft kommt in Anbetracht des nicht mehr so fernen Ziels auch schon mal testweise zum Einsatz.

Auf dem weiteren Weg nach Ueckermünde findet sich ein feiner, flowiger Waldtrail, teils parallel zur nahen Straße und großartig zu fahren. So macht Graveln gleich nochmal so viel Spaß! Es ist nach neun als ich in Ueckermünde einlaufe. Ein schönes Städtchen. Es geht weiter bis ans Haff. Jetzt wird es langsam richtig dunkel und es kommen noch ein paar Abschnitte durch dichten Wald.

Mit meinem nicht-StVZO-gemäßen Monsterscheinwerfer kann ich im dunklen Wald gelassen losstürmen. Der hat mir seinerzeit auf meinem längsten Bike2Work schon grandios durch dunkelste Dunkelheit geholfen. Wenn ich den auf höchste Stufe stelle besteht die Gefahr, dass der Rasen voraus braun wird. Solche Fahrten durch fast vollkommene Dunkelheit haben ihren ganz besonderen Reiz. Allerdings leidet das Fotografieren. Gegen 23 Uhr erreiche ich endlich Hintersee.

Meine Unterkunft, die „Jagdwirtschaft Hintersee“ liegt etwas außerhalb und ist schwer zu finden. Ich muss nochmal telefonieren und mich lotsen lassen. 30 Min. später empfängt mich meine Vermieterin auf dem Hof und zeigt mir den Fahrradschuppen und mein Zimmer.

tbc…

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