Hanse Gravel 2019 – Pt.4

Meine Vermieterin Marion kommt mitten in der Nacht noch heraus und zeigt mir den Fahrradschuppen wo ich gleich noch ein weiteres einschlägiges Gefährt entdecke. Ob ich denn auch so einer sei, der von Hamburg nach Stettin führe, fragt sie mich. Davon liege nämlich einer schon in einem ihrer drei Gästezimmer. Der wolle aber schon früh los um gegen 11 seinen Zug zu bekommen.

Sie hat mir noch Brötchen aufgebacken und Wurst, Käse und Tomaten bereitgestellt. Und zwei Flaschen Bier liegen auch schon kalt. Die Welt ist schön! Ich kann noch heiß duschen und genieße dann mein Nachtmahl. Alle elektronischen Helferlein kommen ans Ladegerät und weil es hier auch WLAN gibt kann ich die bisherigen Strecken schon mal auf Strava hochladen. Dabei geht mir aus ungeklärten Gründen die heutige Tour verloren. Ich werde sie später aus dem geplanten Track restaurieren müssen.

Am nächsten Morgen höre ich schon früh meinen Mitstreiter im Flur. Als ich gegen halb acht aufstehe hat er schon gefrühstückt und sein Rad ist abfahrbereit. Wir begrüßen uns noch kurz mit dem mittlerweile üblichen Gruß: Moin, Markus #98, ah, angenehm, Thomas #183. Und dann ist er schon unterwegs.

Ich widme mich in Ruhe meinem üppigen Frühstück. Bis mein ganzer Kram wieder zusammengepackt ist und ich abfahrbereit bin ist es schon wieder nach 9. Als ich draußen am Rad auf dem Wahoo den Track auswählen möchte sind dort plötzlich nur noch drei alte Tracks zu finden, sonst ist alles verwaist. Mir wird heiß und kalt, ohne Navi finde ich garantiert nicht nach Stettin! Irgendwas muss gestern abend beim synchronisieren schief gelaufen sein. Gott sei Dank habe ich im Hof noch Zugang zum WLAN und kann den Wahoo mittels App nochmal mit Komoot synchronisieren. Puh!

Nach einigen Irritationen über die Richtung bin ich dann um 9:30 Uhr endlich unterwegs. Es ist noch morgendlich frisch, aber trocken. Es gibt zwar zunehmend Bewölkung, aber alles scheint unkritisch. Die Grenze zu Polen ist von hier nur ca. 1,5 km entfernt, doch geht es erst auf deutscher Seite entlang der Grenze Richtung Süden. So sind es bis zum geplanten Übergang dann doch noch gut 20 km.

Die Strecke führt zunehmend über gute Radwege und kleine Landstraßen durch die Dörfchen Glashütte (nicht die mit den Uhren), Pampow und Blankensee zum Grenzübergang. Dort treffe ich zwei weitere Graveller, die gerade dabei sind gegenseitig die obligatorischen Fotos zu machen. Da kann ich dann auch gleich von profitieren. Bei der Weiterfahrt lasse ich sie zurück.

Langsam wird es städtisch, doch auch hier ist es René gelungen der Stadt noch ein paar Trails abzuringen. Es geht durch Parks und Wälder bis man recht plötzlich mitten in der Stadt ankommt. Hier gibt es noch eine größere Baustelle zu umfahren.

An einem zentralen Platz halte ich um mal wieder ein Foto zu machen und die zwei von der Grenze schließen auf. Als wir eine Passantin bitten ein Foto von uns zu schießen überrascht mich einer der beiden mit fließendem Polnisch. Es stellt sich heraus, dass er mal eine Weile in Stettin gelebt und mit Übersetzungen Geld verdient hat. Das letzte gemeinsame Stück durch großstädtischen Verkehr hin zum Hotel, wo das Finisherbuch ausliegt profitieren wir von seiner Ortskenntnis und bekommen auch noch gleich ein paar Hintergrundinformationen zu dem ein- oder anderen Gebäude geliefert.

Am Hotel treffen wir auf einige weitere Graveller und tragen uns um kurz vor 12 Uhr ins liebevoll gestaltete Finisherbuch ein. Zum Bahnhof ist es nur noch um die Ecke. Nach dem Kauf der Fahrkarte nach Pasewalk, ab wo meine Reservierung gilt, reicht die Zeit noch knapp für einen kleinen Snack im Schnellrestaurant. Gemeinsam mit anderen Hanseaten entere ich gegen 13 Uhr die Regionalbahn, die nun gut mit Rädern gefüllt wird.

Am ersten Halt in Deutschland sehe ich plötzlich Harald zusteigen. Nach durchfahrener Nacht ist er am frühen Morgen im Hotel angekommen und hat sich nach einem Frühstück auf den Weg gemacht nach der Devise: Statt auf den Zug zu warten, kann ich auch noch ein wenig Rad fahren. Er begrüßt alle mit Handschlag und man erzählt sich gegenseitig von seinen Eindrücken. Schön, dass ich ein Stück mit Dir fahren konnte, Harald.

Pasewalk ist bald erreicht und eine weitere Odyssee mit der Deutschen Bahn nimmt seinen Lauf. Statt der ursprünglichen Direktverbindung per IC bis Duisburg geht es nun erstmal mit der Regionalbahn bis Bernau bei Berlin, dann per S-Bahn bis Berlin-Gesundbrunnen und dann erst in den IC nach Duisburg. Bis Berlin-Gesundbrunnen bin ich in Gesellschaft von Gert, der mit seinem Stahlross im letzten Jahr auch schon den Candy B. Graveller gefahren ist. Wir haben eine herrlich nerdige Fahrrad-Techie-Unterhaltung über Setups, Ausrüstung, Zubehör, etc.. Danke Gert für den Zeitvertreib!

In Bernau endet der Zug und alles strömt zur S-Bahn. In Berlin-Gesundbrunnen vepasse ich, wie bei 4 Min. Umstiegszeit zu erwarten war, knapp meinen Anschlußzug, der im Zwei-Stundentakt verkehrt. Gut, dass ich zwei Stunden vor meinem Plan hier bin, so bekomme ich wenigstens den regulären Anschluß, der schließlich gegen 23 Uhr in Duisburg einfährt.

Nur dreieinhalb Tage war ich unterwegs, aber gefühlt war es ein unglaublich langer Ausflug in eine Welt, wo die Gedanken um völlig andere Dinge kreisen als im Alltag. Strecke machen, nicht zu schnell und nicht zu langsam, reicht das Wasser, was und wann wird gegessen, wo und wann wird übernachtet, Wetter …. Herrlich!

Mittlerweile ist die Anmeldung für 2020 schon offen. Ich bin wieder dabei. Immerhin fehlt mir ja noch ein Stückchen…

Aufzeichnungen aus Strava:

Tag 1: 165 km

Tag 2: 169 km

Tag 3: 166 km

Tag 4: 43 km

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2 Kommentare zu „Hanse Gravel 2019 – Pt.4

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  1. Hallo Markus,
    schöner Bericht mit super Fotos! So kann ich den Lieben hier einen bildlichen Eindruck von der Strecke präsentieren. Wegen der Konzentration auf das Fahren – also früh los, wenig Pausen, kaum Fotohalte – habe ich immerhin die Strecke gemeistert, aber die Dokumentation vernachlässigt. Auch dank meinem Mitfahrer Alex, der die Lokomotive auf den langen Geradeausstrecken war.
    Schön auch, hier mal erwähnt zu sein – ich bin der Mitgraveller von der deutsch-polnischen Grenze, der polnisch spricht. Kleine Korrektur: ich hab nicht in Szczecin/Stettin gewohnt (das kenn ich als Berliner von gelegentlichen Besuchen), sondern in Wrocław/Breslau, und ich bin bei weitem nicht gut genug für’s direkte Übersetzen, hab aber polnische Realitäten und Kontexte für internationale Kunden ausgewertet und somit indirekt übersetzt.
    Wärst Du gleich mit uns um kurz nach zwölf in den Zug auf der direkten Strecke nach Bernau gestiegen (ok, mußten auch 2 x umsteigen), hättest Du sogar noch bei der Messe vorbeischauen können…
    Na razie / bis zum nächsten Mal
    Christoph (#94)

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Markus,
    Ende gut, alles gut! Danke für die gemeinsame Zeit! Die noch nicht mal für alle Themen gereicht hat.
    Du hast recht, obwohl nur dreieinhalb Tage – da ist noch viel Stoff zum Nachdenken und Erinnern drin. Bis zum 16.4.2020 reicht es aber nicht … bis dann,
    Gert

    Gefällt 1 Person

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