Candy B. Graveller 2022 Pt.1, Einrollen

Bevor ich hier einsteige eine kurze Erläuterung um was es sich beim Candy B. Graveller eigentlich handelt. Von den Rosinenbombern, die nach Ende des zweiten Weltkrieges das abgeschottete Berlin per Luftbrücke mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgten haben einige sicher schon gehört. Auch der Begriff „Carepaket“ dürfte bekannt sein. Diese Carepakete wurden von den Westalliierten 1948/49 über einen Luftkorridor von Frankfurt/Main nach Berlin Tempelhof geflogen und versorgten die abgeschnittene Bevölkerung Berlins mit dem Nötigsten. In diesem Sinne fahren nun heute verwegene Gestalten mit Gravelbikes und teilweise auch mit Mountainbikes rund 670 km entlang dieses ehemaligen Luftkorridors, der naturgemäß häufig über recht unwegsames Gelände führt. Und neben allem zur mehrtägigen Reise nötigen Equipment wird auch noch ein „Carepaket“ transportiert, welches einen Kinderwunsch enthält, der in Berlin dem Kinder- und Jugendwerk „Arche“ übergeben wird. Ich empfehle dringend weitere Details der Website des Candy B. Gravellers zu entnehmen.

Grobe Streckenübersicht mit den jeweiligen Camps

Schon 2019 hatte ich den Candy auf dem Schirm, der damals das dritte Mal stattfinden sollte. Jedoch hatte ich mich schon für den Hansegravel angemeldet, ein ähnliches Format zur gleichen Zeit. Jedoch wurde der 2019er Candy dann zugunsten der Grenzsteintrophy abgesagt, da Gunnar Fehlau, der Erfinder dieser beiden Events, seine Kräfte nun nicht endlos würde strecken können. (Ich stelle beim schreiben gerade fest, dass dieser Mann sogar einen Wikipediaeintrag hat!). Na ja, und dann machte dieser Virus allen Planungen erstmal einen dicken Strich durch alle Rechnungen. Der Rest dürfte bekannt sein.

Als ich las, dass im April 2022 endlich der dritte Candy B. Graveller stattfinden sollte und die ersten Nachrichten über Social Media die baldige Anmeldemöglichkeit ankündigten war ich heiß wie das berüchtigte Frittenfett und behielt alle Kanäle streng im Auge. Kaum startete die Anmeldung und schon hatte ich mich registriert. Jetzt hieß es Geduld haben, da die 74 Startplätze paritätisch zwischen Damen und Herren verteilt werden sollten und zunächst 14 Tage lang abgewartet wurde, ob sich die weibliche Teilnehmerschar auch entsprechend entwickelt. Alsdann würden etwaige freie Startplätze in der Reihenfolge der Anmeldung vergeben. Schließlich musste doch einigen Registrierten noch abgesagt werden. Doch ich war drin! Hurra!

Liebevoll von Bernd Hallmann
aka Jacominas Enkel gestaltete Bordkarte

Eine Woche vor dem Start dann die Hiobsbotschaft, die allen die aktuell etwas planen immer als Damoklesschwert über dem Kopfe schwebt: Eine sich anbahnende Erkältung erwies sich als COVID Infektion! Wenn also die Beschwerden anhalten sollten wäre der Drops gelutscht, noch bevor er angefangen hätte zu schmecken. Fast die gesamte Familie steckte sich in den nächsten Tagen ebenfalls an und die Chance auf einen Start in Frankfurt schwand. Am Vorabend der gebuchten Zugfahrt nach Frankfurt war der Selbsttest erstmals negativ, so dass ich mich am Morgen des 5. April schließlich offiziell freitesten lassen konnte. Ich fühlte mich gut, das Abenteuer konnte beginnen!

Entgegen einiger anderer Erfahrungen aus der Vergangenheit war die Zugfahrt diesmal planmäßig und streßfrei. Das größte Problem war tatsächlich aus dem Flughafenbahnhof in Frankfurt herauszukommen. Erst ein wenig umhergeirrt aber schon bald konnte ich die wenigen Kilometer zum Startort am Terminal 4 zurücklegen. Hier waren schon etliche StarterInnen versammelt und ich freute mich besonders Annette von den Radflamingos und Holger, den Eifelgraveller wiederzutreffen, den ich im letzten September beim Dirty Boar in Belgien kennen lernen durfte.

Schnell noch den Haftungsausschluß abgegeben und einige wirklich brauchbare Goodies des Sponsors bike-components sowie den legendären Candy Dry Bag des Sponsors Ortlieb eingesackt und schon ging es zunächst gemeinsam los zum naheliegenden Luftbrückendenkmal, der sogenannten Hungerharke, um ein Gruppenfoto vor einem der dort ausgestellten Rosinenbomber zu machen. Das Wetter war nach der furchterregenden Vorhersage der letzten Tage nun doch erstmal trocken und die erste Etappe von knapp 80 km mit 440 Höhenmetern sollte für niemanden eine zu große Hürde darstellen. Gegen 13:30 Uhr setzten wir uns in Bewegung und schon bald zog sich das Geschwader der Candy Pilotinnen und Piloten auseinander. Zunächst in südlicher Richtung ging es in einem großen Bogen um Darmstadt herum bis der Kurs Richtung Berlin abgesetzt wurde, ganz so, wie es vor 74 Jahren die Piloten der Luftbrücke taten, die sich nur in einem engen Luftkorridor bewegen durften. Komoot wies für diese erste Etappe nur knapp 12 km Asphalt aus und die ersten nennenswerten Steigungen sollten uns erst nach knapp 40 km begegnen.

Erleichtert stellte ich fest, dass meine überstandene CoVid Erkrankung offensichtlich keinen größeren anhaltenden Schaden hinterlassen zu haben schien. Das hat man ja auch schon ganz anders gehört. Es rollte gut und es war nicht einmal notwendig das Rad bergauf zu schieben. Das sollte sich jedoch schon bald ändern. Doch zunächst lief alles super. Es blieb trocken und schon um kurz nach fünf erreichte ich Camp 1 auf einem kleinen Sportflugplatz bei Zellhausen. Die Groundcrew hatte das Lagerfeuer schon in Betrieb genommen. Da der Platz auf der Zeltwiese beschränkt war wichen einige Piloten zum nahegelegenen Sportplatz aus. Dort war sogar eine Dusche verfügbar. Für mich nach dem recht entspannten ersten Tag ein noch verzichtbarer Luxus. Schnell das Zelt aufgebaut und im Supermarkt ein wenig Grillgut und Bier eingekauft und der gesellige Teil des Abends konnte beginnen.

Es wurde gemeinsam gegrillt, getrunken, fachgesimpelt und die Erfahrungen des ersten Tages wurden ausgetauscht. Nicht allzu spät kroch ich in meinen Schlafsack, denn morgens sollte es früh wieder los gehen. Die nächste Etappe mit knapp 140 km und über 2100 Höhenmetern würde deutlich herausfordernder werden.

tbc.

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