Candy B. Graveller 2022 Pt.5, Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Nach einer hervorragenden Nacht mit reichlich Bettschwere dank einer guten Portion Glühwein brach der Tag mal wieder früh an. Die Morgendämmerung versprach freundliches Wetter und auch angesichts der lächerlich anmutenden knapp 90 Restkilometer herrschte ausgesprochen gute Stimmung. Gestern zum Glühwein konnte ich dann auch endlich meine Edelstahltasse benutzen. Nicht, dass ich am Ende das Erkennungszeichen des Bikepackers schlechthin, nämlich die an der Saddlebag aka. Arschrakete klappernd baumelnde Stahl- (noch besser Email-) Tasse noch umsonst würde mitgeführt haben.

Ich stellte mich schon wieder auf ein Notfrühstück aus Riegeln ein um die Zeit bis zum ersten Bäcker zu überbrücken, als mir ein freundlicher Mitfahrer Brot und Käse anbot. Zusammen mit dem bereitgestellten Kaffee ergab sich ein ein ordnungsgemäßes Frühstück, was mich bis zur Mittagspause tragen sollte. Der mitreisende Fotograf Paul fing noch einige Bilder der morgendlichen Aufbruchstimmung ein, bevor ich mal wieder relativ spät alles eingepackt hatte und gegen halb neun endlich im Sattel saß. Auf zur Schlußetappe!

In nordöstlicher Richtung ging es gen Potsdam voran. Mangelnde Höhenmeter auf diesem letzten Abschnitt wurden mit erhöhtem Aufkommen feinsten brandenburgischen Sandes mehr als wett gemacht. Nach gut 1,5 Stunden, kurz vor dem Schwielowsee südlich von Caputh wurde es doch noch einmal ein bisschen steiler. In einem sehr rustikalen Waldabschnitt kam man teils nur schiebend voran, was aber jetzt auch nicht mehr schrecken konnte.

Schweres Geläuf vor Caputh

Schöne Wanderwege entlang des Sees führten schließlich nach Caputh, an der Grenze zwischen Schwielow- und Templiner See gelegen. Mittlerweile hatten wir uns wieder in einer Vierergruppe zusammengefunden. Zu Lea und Ulrich, meinen Schlammgefährten vom Vortag, war noch Johannes gestoßen und wir vier beschlossen in Caputh für ein kurzes Stückchen den Track zu verlassen um gemeinsam einen Happen zu uns zu nehmen. Wenn es nett ist bleibt man gerne sitzen und so verbrachten wir eine gute Stunde beim Bäcker am Supermarkt.

Eine gute halbe Stunde später, gegen halb eins, am östlichen Rand von Potsdam wurde dann das erste Stadtschild von Berlin gesichtet. Gefühlt war man zwar nun fast da, allerdings waren trotzdem noch über 30 Km bis zum Ziel zurückzulegen.

Ab hier schlängelten wir uns fast 20 Km längs des Teltowkanals in Richtung Tempelhof. Es war immer wieder erstaunlich wie viele ruhige und abgelegene Abschnitte die Streckenscouts inmitten der Großstadt noch finden konnten.

Vorbei an Lichterfelde und Südende durchfuhren wir noch einige Parks bevor es dann aber mit erreichen des Sachsendamms am Berliner Südkreuz endgültig zuende war mit der Ruhe. Nach überqueren der Gleise schluckte uns schon bald der Großstadtverkehr, durch den wir die letzten Kilometer zurücklegen mussten. Am Luftbrückendenkmal, einem Pendant zur Hungerharke in Frankfurt, durfte natürlich das klassische Foto nicht fehlen. Auch hier wartete Paul schon mit seiner Kamera auf uns.

Nothing can stop us now…

Geschwind wieder in den Sattel und auf zum Tempelhofer Flugfeld, wo wir auf der Messe VeloBerlin in der Candylounge erwartet wurden. Aber nicht ohne zuvor noch die obligatorische Runde um das ganze Feld zu fahren und standesgemäß über die Landebahn zu brettern. Der starke Rückenwind ließ uns die Landebahn förmlich entlangfliegen. Auf dem Rückweg zum Messeeingang mussten wir uns dann natürlich gegen den Wind kämpfen und genau in dem Moment, vielleicht 500 Meter vor dem Eingang, öffnete der Himmel seine Schleusen und es gab einen wahnsinnigen Regenschauer. Laut (und vermutlich auch ein bisschen wahnsinnig) lachend rauschten wir zum Messeeingang.

Landeanflug um 15 Uhr!

In der Candylounge stapelten sich schon die schmutzigen Räder. Es gab ein Begrüßungsbier und die mitgebrachten Carepakete wurden standesgemäß in einem Lastenrad deponiert. Auf einem großen Monitor liefen die Bilder, die Paul in den letzten Tagen regelmäßig auf der Strecke von uns geschossen hatte. Man beglückwünschte sich gegenseitig zur bestandenen Challenge und begrüßte viele bekannte Gesichter. Schade, dass es mal wieder nur zu einer kurzen Begrüßung und dem Austausch weniger Worte mit Takeshi aka. Eva gereicht hat. Sie ist diesmal nicht mitgefahren, sondern war im Hintergrund bei der Organisation aktiv.

Etwas später wurden wir auf die Bühne gebeten, wo der Candy B. Graveller mitsamt seiner Benefiz-Grundidee dem breiten Publikum vorgestellt wurde. Ein Gruppenfoto vor dem historischen Rosinenbomber schloß den offiziellen Teil dann ab.

Gruppenfoto by Bikingtom

Fazit:

680 km (in meinem Fall nur 520), die die ganze Klaviatur der Emotionen freisetzen. Das Format mit den festen Camps finde ich super, wenn auch, besonders bei den langen Etappen, es evtl. schwer werden kann die Camps zeitig zu erreichen. Trotzdem überwiegen für mich die Vorteile. Es soll natürlich eine Herausforderung bleiben, aber über einige wenige Abschnitte könnte man nochmal nachdenken, oder? Um auch Bikpacking-Novizen zu ermuntern teilzunehmen könnte vielleicht die ein oder andere Abkürzung angeboten werden?

Auf jeden Fall tausend Dank an Gunnar für die initiale Idee, den vielen weiteren Helfern, besonders den Locals in den Camps, den Streckenscouts (auch wenn ich euch manches mal verflucht habe), den vielen Trail-Magiern, den großzügigen Sponsoren, meiner sich zufällig gefundenen Gruppe im Schlamm (ohne euch hätte ich es da nicht rausgeschafft) und nicht zuletzt den guten Freunden in Berlin, die mich nach vielen Jahren ohne Kontakt spontan aufgenommen haben und die die halbe Nacht ein offenes Ohr für meine emotionalen Erzählungen hatten. Ein würdiger Abschluß fünf ereignisreicher Tage!

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